{"id":27,"date":"2023-08-22T09:54:31","date_gmt":"2023-08-22T07:54:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hara-shiatsu.com\/shiatsu-summit\/?p=27"},"modified":"2023-10-03T09:17:48","modified_gmt":"2023-10-03T07:17:48","slug":"touching-trauma-understanding-trauma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.shiatsu-summit.com\/de\/touching-trauma-understanding-trauma\/","title":{"rendered":"TRAUMA BER\u00dcHREN, TRAUMA VERSTEHEN"},"content":{"rendered":"<h5><strong>Ein Trauma ist meist die Folge eines au\u00dfergew\u00f6hnlich belastenden pers\u00f6nlichen Erlebnisses, bei dem die individuellen M\u00f6glichkeiten und Ressourcen zur Bew\u00e4ltigung nicht ausreichend sind. So etwas hinterl\u00e4sst Spuren. In der Pers\u00f6nlichkeit, in der Seele, im K\u00f6rper. Und im Energiesystem. Letzteres kann uns in Shiatsu wertvolle Hinweise liefern, wie wir traumatisierte Menschen bestm\u00f6glich ber\u00fchren k\u00f6nnen. Denn die Spuren weisen ein bestimmtes Muster auf\u2026<\/strong><\/h5>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Begriff Trauma kommt aus dem Griechischen und bedeutet Wunde oder Verletzung. In meiner fast 30 Jahren w\u00e4hrenden Shiatsu-Praxis durfte ich in unterschiedlichen Settings sehr viele davon ber\u00fchren. Ich habe Shiatsu in einem Spital f\u00fcr Kinderpsychosomatik gegeben. Die Hintergrundgeschichten der kleinen Patient:innen k\u00f6nnen einem fast das Herz brechen. Gewalt. Missbrauch. Verwahrlosung. Noch dramatischere Ereignisse habe ich bei Fl\u00fcchtlingen erlebt, die wir im Rahmen eines Projektes der International Academy for Hara Shiatsu betreut haben. Massenvergewaltigungen. Folter. Mord. Krieg. Emotional weit weniger herausfordernd, aber nicht minder spannend war meine T\u00e4tigkeit in der Rehabilitationsabteilung einer gro\u00dfen Klinik, wo physische Traumen im Mittelpunkt standen, die sich als therapieresistent erwiesen haben, ganz einfach, weil die psychische Komponente in der konventionellen Herangehensweise nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt wurde.<\/p>\n<p>All diese T\u00e4tigkeiten haben zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem \u00dcberbegriff Trauma gef\u00fchrt und somit auch zu einem Schwerpunkt in meiner Praxis, wo ich von Inzest-Selbsthilfegruppen \u00fcber todkranke Personen bis hin zu den klassischen Lebenstraumen eine weitere Vielfalt dieses so existentiellen Themas erforschen durfte.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"color: #5db4ff;\">Und es ist nicht nur meine Essenz: Per se l\u00e4sst sich nur unscharf voraussagen, welche Ereignisse f\u00fcr welche Menschen wirklich zu einem Trauma f\u00fchren, weil viele Faktoren mitentscheidend sind, ob es zur l\u00e4ngerfristigen Manifestation einer tiefgehenden Verletzung in der Pers\u00f6nlichkeitsstruktur kommt oder nicht.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das h\u00e4ngt vom individuellen Werdungsprozess ab, vom Charakter, von der psychischen und emotionalen Immunit\u00e4t, von der Stabilit\u00e4t der Lebensumst\u00e4nde, von den zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen, von der Resilienzf\u00e4higkeit, von der Regulationskraft des Nervensystems, vom Lebensalter, vom Lebensabschnitt, ja sogar von der Gabe zur Sinnstiftung in Bezug auf die eigene Seinsgestaltung. Dazu kommen noch viele weitere Einflussfaktoren.<\/p>\n<h4><strong>NICHT ALLES IST EIN TRAUMA<\/strong><\/h4>\n<p>Der Ansatz, dass ein Trauma immer ein \u00fcberdimensional schlimmes Ereignis sein muss, ist nicht schl\u00fcssig und \u00fcberholt. Nat\u00fcrlich, schwere Unf\u00e4lle, Gewalteinwirkung oder Naturkatastrophen haben ein hohes traumatisierendes Potential. Diesbez\u00fcglich spricht man von einem Schocktrauma, von einem singul\u00e4ren Umstand (Typ-I-Traumata), der in seiner Intensit\u00e4t so belastend ist, dass f\u00fcr die betroffene Person kein Handlungsspielraum mehr besteht, mit der entsprechenden Situation direkt und auch nachher umzugehen. Aber auch wesentlich weniger spektakul\u00e4re Lebenserfahrungen k\u00f6nnen zu schwerwiegenden Traumen f\u00fchren, die sich in ihrer gef\u00fchlten Auswirkung und ihrer Symptomatik kaum unterscheiden. Erstreckt sich eine Summe negativer Erfahrungen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum, kann dies genauso weitreichende Spuren im K\u00f6rper und im Geist hinterlassen (Typ-II-Traumata). Viele dieser Traumen bilden sich vorwiegend in der Kindheit heraus, denn Kinder haben weit weniger M\u00f6glichkeiten, mit schwierigen Situationen umzugehen als Erwachsene. In meiner Praxis konnte ich vor allem nach Beginn der CoVid-Krise eine stetige Zunahme von Klient:innen mit Typ-II-Traumata beobachten, sicher auch, weil das Setting der CoVid-Krise alle Zutaten beinhaltete, um schlummernde Traumen an die Oberfl\u00e4che zu holen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"color: #5db4ff;\">Trotzdem m\u00f6chte ich an dieser Stelle eine klare Trennlinie ziehen. Denn der Begriff Trauma wird im allgemeinen Sprachschatz und in den Medien meist inflation\u00e4r und unbedacht verwendet.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es scheint modern zu sein, ein Trauma zu haben und viel zu schnell spricht man bei herausfordernden Lebensumst\u00e4nden von einem Bindungstrauma, einem Scheidungstrauma oder einem Arbeitsplatztrauma. Belastende Situationen m\u00fcssen aber nicht zwangsl\u00e4ufig zu einer Traumatisierung f\u00fchren, wenn man trotz der Belastung handlungsf\u00e4hig bleibt und l\u00e4ngerfristig daran sogar wachsen kann. Diese verallgemeinerte Verwendung ist ungerecht gegen\u00fcber all denjenigen, die wirklich schwere traumatische Erfahrungen erlebt haben und an umfangreichen Traumafolgest\u00f6rungen leiden. Das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr die Begriffe Depression oder Burnout. Es ist ein gro\u00dfer Unterschied zwischen einer schlechten Stimmungslage und einer echten Depression, wie auch ein gro\u00dfer Unterschied zwischen tiefer M\u00fcdigkeit und einem echten Burnout ist.<\/p>\n<h4><strong>DAS YIN UND YANG DES NERVENSYSTEMS<\/strong><\/h4>\n<p class=\"translation-block\">G\u00e4nzlich unabh\u00e4ngig von der pers\u00f6nlichen Situation und Geschichte eines jeden traumatisierenden Prozesses, wirkt dieser auf unser Nervensystem. Das autonome Nervensystem hat - aus Sicht der TCM - einen Yin und einen Yang Aspekt. Der Yang Aspekt wird durch das sympathische Nervensystem repr\u00e4sentiert. Es versetzt uns in einem Zustand erh\u00f6hter Aktivit\u00e4t, es steuert unser Erregungspotential. Das parasympathische Nervensystem steht f\u00fcr den Yin Aspekt. Es ist f\u00fcr jede Form der Beruhigung zust\u00e4ndig. Wie das bei Yin und Yang nun mal so ist, ist ein dynamischer und rhythmischer Wechsel zwischen diesen beiden Aspekten Ausdruck einer gesunden Balance und dieser Wechsel sollte in einem gewissen Toleranzbereich stattfinden. Es gibt quasi eine Decke. Und einen Boden. Bewegen sich Aktivierungs- und Entspannungsphasen innerhalb dieser Grenzen, ist alles gut. Wie weit diese Grenzen gesteckt sind, ist wiederum eine individuelle Angelegenheit, bestimmt aber, wie stressresistent und resilient wir sind. Bei einem geringen Abstand zwischen Decke und Boden, kann die Amplitude schnell einmal durch die Decke schie\u00dfen oder durch den Boden fahren. Bei einem gro\u00dfen Abstand ist hingegen ausreichend Puffer vorhanden, um selbst gro\u00dfe Belastungsintensit\u00e4ten aufnehmen zu k\u00f6nnen. Dieses Toleranzfenster - Window of Tolerance - wird prim\u00e4r in den ersten Lebensjahren gepr\u00e4gt, vor allem durch das Verh\u00e4ltnis zu den engen Bezugspersonen.\n<br>\n<a href=\"https:\/\/www.shiatsu-summit.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/2307-TRAUMA-ARTIKEL-5-ELEMENTE-NERVENSYSTEM-germ.jpg\" target=\"_self\"><img class=\"wp-image-8415 size-full aligncenter\" src=\"https:\/\/www.shiatsu-summit.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/2307-TRAUMA-ARTIKEL-5-ELEMENTE-NERVENSYSTEM-germ.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"482\"><\/a>\nDie Charakteristik eines traumatisierenden Ereignisses besteht nun darin, dass das sympathische Nervensystem durch die Decke schie\u00dft. Eine wie auch immer geartete oder empfundene Unsicherheit oder Bedrohung aktiviert den Kampf-, Flucht- oder Freeze-Mechanismus \u00fcber seinen Toleranzbereich hinaus, wodurch ein bewusste Kontrolle nicht mehr m\u00f6glich ist. Das Resultat ist ein Gef\u00fchl der Hilflosigkeit und Ohnmacht, ein Ausgeliefertsein, gegen\u00fcber der Situation, gegen\u00fcber sich selbst. Eine \u00dcberw\u00e4ltigung, die keinen Handlungsspielraum mehr offen l\u00e4sst. Das sympathische Nervensystem pumpt Energie in den K\u00f6rper, die jedoch nicht umgesetzt werden kann. Als w\u00fcrde man Starkstrom durch ein daf\u00fcr nicht geeignetes Leitungssystem jagen. Das Leitungssystem ist v\u00f6llig \u00fcberlastet. Die Sicherungen brennen durch. Das Drama am Trauma: Selbst wenn die ausl\u00f6sende Situation vorbei ist, bleibt das entlastende Stoppsignal des K\u00f6rpers aus. Der Zustand beginnt sich zu manifestieren, ausgehend vom Nervensystem in den K\u00f6rper bis in den Geist und die Seele. Und dort kann er sich einnisten und weitreichende Konsequenzen f\u00fcr die gesamte Lebensf\u00fchrung mit sich bringen. \u00dcber Jahre. \u00dcber Jahrzehnte. Die betroffenen Personen sind meist ganz normal in den Alltag integriert. Aber f\u00fcr sie ist es kein normaler Alltag. Sondern eine gro\u00dfe Herausforderung. Wie das Fahren mit angezogener Handbremse. Es geht. Aber mit wesentlich h\u00f6herem Aufwand und mit viel Reibung.<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich eine sehr vereinfachte Darstellung eines Traumatisierungsprozesses, die entscheidenden Mechanismen verhalten sich jedoch so und helfen uns, das Thema Trauma aus der Sicht von Shiatsu zu verstehen.<\/p>\n<h4><strong>DIE ENERGETISCHE STRUKTUR EINES TRAUMAS<\/strong><\/h4>\n<p>So wie das Nervensystem im Falle einer Traumatisierung unabh\u00e4ngig von den unterschiedlichen Ausl\u00f6sefaktoren auf eine charakteristische, mit prim\u00e4ren \u00dcberlebensmechanismen in Verbindung stehende Art und Weise reagiert, wei\u00dft auch unser Energiesystem spezifische Muster auf. Es handelt sich dabei um eine Kettenreaktion, die mit den Nieren beginnt. Jede Form von Unsicherheit, Angst oder Schock geht uns an die Nieren. Das wiederum aktiviert das Partnerorgan, die Blase, die mit ihrem Meridian-Verlauf das sympathische Nervensystem kontrolliert. Die Blase aktiviert den Kampf- und Fluchtmodus, ein ganz normaler Vorgang. Innerhalb der Toleranzgrenze kann sich das System wieder selber regulieren. Bei einem Trauma ist das anders.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"color: #5db4ff;\">Die Blasenenergie schie\u00dft durch die Decke. Die Nierenenergie rasselt in den Keller. Eine massive \u00dcberaktivierung bei gleichzeitiger tief empfundener Angst. Das ist die Ausgangssituation.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Blase im Plus. Die Niere im Minus.\nAls Folgeerscheinung ist durch die kontinuierliche Anspannung des Blasen-Meridians die Erregungsschwelle des zentralen Nervensystems deutlich geringer als vor dem traumatisierenden Ereignis. Damit geht oft eine \u00dcberempfindlichkeit einher, eine erh\u00f6hte Sensitivit\u00e4t, die den in den Nieren gespeicherten Angstzustand selbst bei kleinen Reizen reaktivieren kann. Man spricht vom Hyperarousal. Selbst vermeintlich unbedeutende Ausl\u00f6sefaktoren wie ein bestimmtes Ger\u00e4usch, ein spezieller Lichteffekt, ein Geruch, eine Nachricht oder ein Foto k\u00f6nnen einen unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig starken Erregungszustand ausl\u00f6sen. Die Schreckhaftigkeit kann sehr ausgepr\u00e4gt sein, wie auch die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Aufmerksamkeit. Dieser Zustand kostet enorm viel Energie, die von den Nieren als Speicher der Essenz abgesaugt wird.<\/p>\n<h4><strong>DIE ROLLE DES METALL-ELEMENTS<\/strong><\/h4>\n<p>Um den fortschreitenden Prozess der Traumatisierung und vor allem die posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung (PTBS) nachvollziehen zu k\u00f6nnen, hilft uns das Prinzip der F\u00fcnf Wandlungsphasen und das Gesetz der Oppositionszeiten. Das Wasser-Element mit den Organen Niere und Blase ist das Kind das Metall-Elements mit den Organen Lunge und Dickdarm. Ist das Kind-Element schwach, \u00fcbernimmt das Mutter-Element die F\u00fchrung, um es zu besch\u00fctzen. Zudem kommt, dass die Organe des Wasser-Elements mit den Organen des Metall-Elements durch die Oppositionszeiten in enger Verbindung stehen. Die Niere steht mit dem Dickdarm in Opposition. Die Blase mit der Lunge. Das Gesetz der Oppositionszeiten besagt, dass sich die Energie nur in einem der beiden durch die Oppositionszeit verbundenen Organ befinden kann. Ist die Niere leer, ist er Dickdarm voll. Ist die Blase voll, ist die Lunge leer. Und der Blasen-Meridian ist \u00fcbervoll, mit zahlreichen Auswirkungen auf die Lunge.\nZum einen zeigen sich direkte Auswirkungen auf die Atmung. Das Lungen-Qi ist geschw\u00e4cht. In normalen Zustand sorgt es f\u00fcr eine tiefe Atmung, f\u00fcr ein Absenken des Qi. Nun stagniert dieses im Brustraum. Der Atmen ist oberfl\u00e4chlich, kurz, es findet wenig Bewegung statt. Derart wird der K\u00f6rper mit weniger Energie versorgt. M\u00fcdigkeit kann entstehen. Aber auch Formen von depressiver Verstimmung, in Form von Traurigkeit, tiefer Ersch\u00f6pfung und einer empfundenen Sinnlosigkeit der eigenen Existenz.<\/p>\n<p>Weiters f\u00fchrt eine Schw\u00e4che der Lunge zu einer suboptimalen Verteilung des Wei-Qi. Die physische und die psychische Immunit\u00e4t sind  fragil. Eine d\u00fcnne Haut eben. Reize gelangen ungefiltert in das System und l\u00f6sen weiteren Stress aus. Das Gef\u00fchl nat\u00fcrlicher Grenzen verschwimmt.<\/p>\n<p class=\"translation-block\">Umgekehrt wird das Prinzip der Oppositionszeit auch genutzt, um \u00fcber eine bewusst tiefere Atmung die Lunge zu f\u00fcllen, wodurch Energie von der Blase abgezogen wird. Der Blasen-Meridian kann sich entspannen. Und mit ihm der Hypertonus des sympathischen Nervensystems. Auch in der Traumatherapie wird gezielt mit dem Atem gearbeitet, um vorhandene oder aufsteigende \u00c4ngste zu managen. Das Prinzip ist dasselbe. Lunge voll, Blase leer. Die Nieren profitieren davon. Denn auch bei den Organpaaren innerhalb eines Elements gilt das Gesetz, dass die Energie mehrheitlich entweder in dem einen oder in dem anderen Organ ist. Starke Nieren f\u00f6rdern das Gef\u00fchl von Sicherheit und Selbstvertrauen.<\/p>\n<h4><strong>DIE K\u00d6RPERSEELE PO<\/strong><\/h4>\n<p class=\"translation-block\">Weiters f\u00fchrt der Leere-Zustand in der Lunge zu einer Abl\u00f6sung der K\u00f6rperseele Po. Der Po ist in der TCM die Instanz, die unser Bewusstsein mit dem K\u00f6rper verbindet. Er verleiht uns die F\u00e4higkeit zur somatischen Wahrnehmung. Rei\u00dft diese Verbindung ab, dann geschieht eine Trennung zwischen K\u00f6rpererleben und Geistesleben. Das kann die Basis f\u00fcr die Entstehung mehrerer Zust\u00e4nde sein, die mit einem Trauma einhergehen. Zum einen kann sich das Gef\u00fchl einer Entfremdung vom K\u00f6rper einstellen, einer Depersonalisierung. Zum anderen kann eine Entfremdung von der Umgebung und den Lebensumst\u00e4nden passieren, die ver\u00e4ndert oder unwirklich erscheinen, eine Derealsierung: Man verliert den Bezug zur umgebenden Realit\u00e4t. Ein abgekapselter Po kann auch mit kognitiver Dissonanz in Verbindung stehen, da Gef\u00fchle die Sprache des K\u00f6rpers und Gedanken die Sprache des Geistes sind und zwischen beiden keine koordinative Verbindung mehr herrscht. Zudem wird der Zugang zu den Gef\u00fchlen erschwert, zu den Gef\u00fchlen zu sich und zu anderen, was oft mit einem verminderten Interesse am sozialen Leben einhergeht. Man spricht vom Numbing, von emotionaler Taubheit. Diese Schwierigkeit in der Wahrnehmung von Gef\u00fchlen f\u00fchrt of dazu, dass Personen mit einem - nicht nur durch traumatische Erfahrungen - losgel\u00f6sten Po besonders intensive K\u00f6rpererfahrungen suchen, um sich \u00fcberhaupt noch sp\u00fcren zu k\u00f6nnen. Diese Suche kann sich in S\u00fcchten, extremen Lebenssituationen oder Selbstzerst\u00f6rungstendenzen ausdr\u00fccken.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"color: #5db4ff;\">Meiner Erfahrung nach ist die erfolgreiche Stabilisierung des Po einer der Schl\u00fcsselfaktoren in der Arbeit mit Trauma-Klient:innen. Denn der Po gibt uns auch die Kraft, einen positiven Blick in die Zukunft zu werfen. Er kann uns von der Perspektivenlosigkeit zu neuen Perspektiven f\u00fchren. Der Po steht f\u00fcr das, was kommt. Der Dickdarm f\u00fcr das, was hinter uns liegt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Und der Dickdarm ist wie die Blase sehr angespannt. Er steht mit den Nieren in Oppositionszeit. Niere leer. Dickdarm voll. Diese Achse spiegelt die Dynamik zwischen Unsicherheit und Kontrolle, zwischen Sicherheit und Loslassen. Je schw\u00e4cher die Nieren, desto mehr versucht der Dickdarm Kontrollmechanismen im Leben aufzubauen, um derart f\u00fcr Sicherheit zu sorgen, f\u00fcr einen Halt, f\u00fcr etwas, an dem man sich anhalten kann. Eine angespannte Dickdarm-Energie h\u00e4lt alles zusammen, um ja nicht die Kontrolle zu verlieren. Der Dickdarm ist die Instanz, die hinter Vermeidungsverhalten steht. Es ist nicht ungew\u00f6hnlich Situationen zu vermeiden, die gef\u00e4hrlich, bedrohlich oder unangenehm eingestuft werden.<\/p>\n<p>Mutter Dickdarm besch\u00fctzt Kind Niere. Bei einer posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung kann Vermeidungsverhalten jedoch zur Methode werden und Einfluss auf weite Lebensbereiche haben. Und der Dickdarm reagiert sehr sensibel auf geringste Ver\u00e4nderungen. Er klammert vorsorglich alle mit dem Trauma auch nur im entfernten in Verbindung stehenden Themen und m\u00f6gliche Schl\u00fcsselreize aus.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.shiatsu-summit.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/2307-TRAUMA-BERUHREN-I.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8415 size-full aligncenter\" src=\"https:\/\/www.shiatsu-summit.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/2307-TRAUMA-BERUHREN-I.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"482\" \/><\/a><\/p>\n<h4><strong>DIE WURZELN UND DIE ZWEIGE<\/strong><\/h4>\n<p>In der TCM spricht man von den Wurzeln und den Zweigen eines Zustandes. Die energetische Grundstruktur - also die Wurzeln - eines Traumas manifestiert sich prim\u00e4r \u00fcber das Wasser- und das Metall-Element. Die Dynamik lautet: Niere - -&gt; Blase + -&gt; Lunge - -&gt; Dickdarm +<\/p>\n<p>Die Zweige durchdringen aber auch die Elemente Holz, Feuer und Erde. Nachdem das Holz-Element vom Metall-Element kontrolliert und vom Wasser-Element gen\u00e4hrt wird, zeigen sich in diesem ebenfalls deutliche Kennzeichen. Betroffen ist hier vor allem die Wanderseele Hun, die eng mit dem Po in Verbindung steht. In einem konstruktiven Zustand wurzelt das Wasser-Element in den Nieren. Diese sind aber f\u00fcr diese Ankerfunktion zu schwach und gew\u00e4hrleisten geringe Stabilit\u00e4t. Das schickt den Hun auf Wanderschaft.<\/p>\n<p>Wir sprechen von Flashbacks, von sehr lebendig wirkenden Erinnerungen an die erlebte Situation oder den Prozess der Traumatisierung, oft auch in Form von Albtr\u00e4umen. Charakteristisch f\u00fcr die Hun ist, dass er sehr sensibel auf visuelle Trigger reagiert, da er prim\u00e4r mit den Augen in Verbindung steht. Es kann aber auch sein, dass der Hun so sehr auf Wanderschaft gegangen ist, dass mit ihm die Erinnerungen an das Erlebnis komplett gel\u00f6scht erscheinen, denn wie der Po in der Lunge residiert, residiert der Hun in der Leber und die Leber \u00fcbernimmt in der TCM die Funktion des Speicherbewusstseins. \u00dcberhaupt geht es der Leber weniger gut\u2026<\/p>\n<p>Denn Holz braucht Wasser, um geschmeidig zu bleiben. Von der Niere ist dieses jedoch nicht zu bekommen. Sprich: Das Holz trocknet aus. Es verliert seine Flexibilit\u00e4t und wird leicht entflammbar. Darunter leider die Anpassungsf\u00e4higkeit an Ver\u00e4nderungen und die schnelle Entflammbarkeit zeigt sich ein erh\u00f6hter Reizbarkeit oder auch \u00fcberraschendem Aggressionspotential. Und wenn wir schon von mangelndem Wasser sprechen: Das wirkt sich nat\u00fcrlich auch direkt auf das Herz aus, das vom Wasser-Element kontrolliert wird. Das braucht weniger Feuchtigkeit als K\u00fchlung, weil es zu 90% Yang ist. Ohne Wasser erhitzt es \u00fcberm\u00e4\u00dfig. Die Folge: Herzrasen, Nervosit\u00e4t, Schlafst\u00f6rungen, Konzentrationsproblem\u2026<\/p>\n<p>Und das Erd-Element? Das steht in der energetischen Darstellung des Menschen in der Mitte und nicht wie in der pathologischen Darstellung der F\u00fcnf Elemente zwischen Feuer-Element und Metall-Element. Durch die Polarisierung der anderen vier Elemente entsteht ein starkes Ungleichgewicht rund um die Mitte herum, die dieses kaum mehr stabilisieren kann. In den schlimmsten F\u00e4llen zerrei\u00dft es die Mitte sogar. Mit weitreichenden Folgen auf den Verdauungstrakt und nat\u00fcrlich auch auf die Psyche. Die Zweige der posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung k\u00f6nnen sich sehr vielf\u00e4ltig gestalten und es ist in der Praxis nicht leicht, den bestm\u00f6glichen Einstieg zu finden\u2026<\/p>\n<h4><strong>DIE ROLLE DER PERS\u00d6NLICHKEIT UND DIE CRUX VON KONZEPTEN<\/strong><\/h4>\n<p>Die grundlegende energetische Dynamik zwischen Wasser- und Metall-Element betrifft im Falle eines traumatisierenden Prozesses alle Menschen \u00e4hnlich. Diese energetische Dynamik passiert aber in einem System, das individuelle Auspr\u00e4gungen hat. Dementsprechend kann diese Auspr\u00e4gung die Schwerpunkte oder die Symptome verlagern oder anderes gewichten. Das betrifft auch die Zweige Holz, Feuer und Erde. Je nach Setting gibt es daher unz\u00e4hlig viele Einstiegsm\u00f6glichkeiten. Dennoch: Ohne einer Harmonisierung der grundlegenden Achse Wasser- und Metall-Element ist es l\u00e4ngerfristige schwierig, wirklich entscheidende Fortschritte zu erzielen. Der Po geh\u00f6rt konsolidiert. Der Blasen-Meridian geh\u00f6rt entspannt. Die Niere geh\u00f6rt gef\u00fcllt. Und der Dickdarm kann als Resultat sukzessive loslassen. In Shiatsu sprechen wir von energetischen Prozessen. Analysiert man jedoch die g\u00e4ngigsten Trauma-Therapien, dann verfolgen sie \u00e4hnliche Ziele, wenn auch mit anderen Mitteln und einer andere Sprache.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"color: #5db4ff;\">In der Shiatsu-Welt ist es en vogue geworden, jegliche Konzepte als limitierenden Faktor des Verstandes zu betrachten und die Intuition in den Mittelpunkt des Wirkens zu stellen. Das ist schade, weil es lediglich zeigt, dass sich viele Personen einfach schwer damit tun, eine konstruktive Synthese aus Wissen und F\u00fchlen, aus Logik und Intuition zu kreieren.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das eine wird gerne vom anderen getrennt und \u00fcberbetont. Ein Ansatz, der lediglich pers\u00f6nliche Pr\u00e4ferenzen widerspiegelt. Denn die wahre Einheit entsteht durch eine Fusion der Gegens\u00e4tze, durch eine Integration von Yin und Yang und nicht durch die Ablehnung eines bestimmten Poles.<\/p>\n<p>Insofern k\u00f6nnen Konzepte sehr wohl hilfreich sein. Konzepte sind wie ein Stadtplan. Der Stadtplan ist nicht die Stadt. Er erm\u00f6glicht uns aber eine rasche \u00dcbersicht und eine schnelle Orientierung. Dann muss man ihn wieder zur Seite legen und offen sein f\u00fcr das, was die Stadt an Erlebnissen und \u00dcberraschungen bringt. Manchmal ergeben sich neue Routen. Mal \u00e4ndern sich die Ziele. Alles sch\u00f6n und gut. Die entscheidende Frage sollte aber immer sein: Wie kann ich die Menschen, die zu mir kommen, bestm\u00f6glich unterst\u00fctzen? Wie kann ich ihnen bestm\u00f6glich weiterhelfen? Dazu braucht es alle Ressourcen, die wir haben. K\u00f6rper. Seele. Geist.<\/p>\n<p>Meine Absicht mit diesem Artikel war es, einen groben Stadtplan der Trauma-Energetik zu erstellen. Vielleicht hast Du ja Erg\u00e4nzungen? Vielleicht interessiert Dich das Thema mehr? Dann m\u00f6chte ich Dich gerne zum 1. Shiatsu Summit in Wien einladen. Vom 30.5. bis 2.6. widmen sich f\u00fcnf internationale Expert:innen vier Tage lang einem Thema: Trauma.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trauma is usually the result of an exceptionally stressful personal experience in which the individual\u2018s possibilities and resour- ces are insufficient for coping with it. This leaves long lasting traces. In the personality. In the soul. In the body. And in the energy system. 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